PARADOX DER EMANZIPATION

VII.A.1 Die wahre Voraussetzungen

Die einzig wahre Erkenntnistheorie muss in der Lage sein, alle Fragen über sowohl Erkenntnis als auch Theorie zu beantworten. Sie muss in der Lage sein, alle Zweifel zu beantworten. Sie muss die Frage der grundlegendsten Prämisse (wenn so eine gäbe) beantworten können, ob diese wirklich wahr ist.

Die Theorie muss sich selbst von sich selbst aus beweisen können, und gleichzeitig muss die Theorie auch die Unwahrheit aller anderen erkenntnistheoretischen Theorien widerlegen. Ich gebe ehrlich zu, dass dies unmöglich zu sein scheint, aber es ist nicht unmöglich. Es wurde noch nie gesehen oder gehört, trotzdem kann es aber nicht unmöglich sein. Wenn der Leser fragt, ob ich damit meine, dass ich das letzte Problem der Erkenntnistheorie gelöst habe, dann ist die Antwort: "Ja".

Die falsche Annahme liegt bereits in der Annahme ausgedrückt in das Wort "Erkenntnistheorie". Die Erkenntnistheorie besagt, dass es möglich ist, eine 'Theorie' der Erkenntnis zu haben oder anders ausgedrückt: dass es möglich ist über Wahrnehmung zu denken. Falls dies möglich ist, muss das Denken anders oder getrennt von der Wahrnehmung sein.

Was ist Denken und was ist Wahrnehmung? Beachten Sie, dass beide Konzepte, Denken und Wahrnehmen, nicht-dualistische oder transzendentale in Beziehung auf dualistischen Logik sind und beide einen Prozess beschreiben. Und ein Prozess ist nicht dualistisch, denn der Prozess hat kein logisches Gegenteil! Nicht-Prozess existiert in der Realität nicht, denn Existenz ist ein Prozess. Aber ich muss das beweisen.

Kehren wir zum Denken und Wahrnehmen zurück und versuchen herauszufinden, ob sie wirklich identisch oder unterschiedlich sind. Aber wie lösen wir dieses Problem? Ich kann ja nicht bloss sagen, dass das eine existenziell ist und das andere nicht, ich muss es gleichzeitig beweisen. Ich kann auch nicht einfach sagen, dass sowohl Denken als auch Wahrnehmen Prozesse sind, ohne dies zu beweisen. Hat der Leser bemerkt, dass ich an einer weiteren Prämisse gearbeitet habe und arbeite, die ich weder erwähnt noch bewiesen habe? Was ist das?

Und das ist unmittelbar schwer zu finden, denn es stellt vielleicht das größte Tabu in Frage, das es in unserer Kultur seit vielen tausend Jahren gegeben hat, denn ich setze die Existenz von ICH voraus. Und diese Prämisse habe ich nicht bewiesen. Anders ausgedrückt habe ich angenommen, dass der DENKER existiert. Unsere Kultur setzt genau voraus, dass ICH BIN DER DENKENDE oder ICH BIN DER DENKER

Und weil eine wahre Erkenntnistheorie in der Lage sein muss, alle möglichen und damit DENKBARE Fragen zu beantworten, muss sie auch diese Prämisse beweisen können. Und bevor es diese Prämisse beweisen kann (ich bin der Denker), muss es in der Lage sein, die Existenz des Ich zu beweisen. Die grundlegendste Frage für eine echte Erkenntnistheorie muss sein: BIN ICH?

Erst dann kommt die nächste Frage: "WER BIN ICH?" - wenn ich mir erlauben könnte, zwischen "Ego" und "Ich" zu unterscheiden, wäre es klarer, aber das kann ich nicht an dieser Stelle der Entwickung / Darstellung der Theorie.

> > > VII.A.2 Bin ich oder existiere ich?


© and translation 2019-2020 by Michael Maardt